Oh, wie schön ist Marzahn


Wenn ein Stadtteil einen so üblen Ruf hat, können seine Bewohner es dann nur noch mit Ironie versuchen? Zu Besuch bei Frauen, die Hollywood kopieren wollen, und Männern, die nur noch in Superlativen sprechen.
Es ist ein windiger Donnerstag, an dem Karoline Köber sich mit ihren Haaren in Marzahn verheddert. „Verfangen im Bezirk“, scherzt sie und entwirrt ihre Strähne aus einem Ast. Dann klettert sie weiter, immer die Ahrensfelder Berge hinauf, ihrer Freundin Nicole Mühlberg hinterher, vorbei an Sträuchern und Bäumen. Als die beiden Frauen die Spitze erreichen, lächeln sie. Rechts können sie auf Brandenburg blicken, links auf das Hochhausmeer von Marzahn: Es ist rau und schön.

Hier oben werden sie vielleicht einmal thronen, die zwölf Meter hohen Marzahn-Buchstaben im Hollywood-Stil. Denn genau diese wollen Köber und Mühlberg hier anbringen: M-A-R-Z-A-H-N, in riesigen Lettern, auf dem Hügel über den Plattenbauten. Wieso eigentlich? „Wir wollen die Menschen dazu anregen, sich mit diesem Ort auseinandersetzen“, sagt Mühlberg. Und sie wollen beweisen, dass Marzahn Humor hat.

Denn wer behauptet, dass dieser Berliner Stadtteil einen schlechten Ruf habe – der untertreibt: Plattenbauten, Arbeitslosigkeit und die Wortschöpfung „sozialer Brennpunkt“: Das ist alles, was den meisten zu Marzahn einfällt. Vermutlich waren bereits mehr Berliner in New York als hier. Die Frage lautet: Wenn man als Stadtteil dermaßen verschmäht wird – kann man’s dann nur noch mit Ironie versuchen?

// 13.08.2015, Merle Schmalenbach, Die Zeit

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