„Aus sozialem Brennpunkt sozialen Klebstoff machen“


Schon bald soll ein riesiger Marzahn-Schriftzug über das Plattenmeer von Berlin-Marzahn ragen. Ganz im Stile Hollywoods.

Frau Köber und Frau Mühlberg, Sie planen ein Wahrzeichen im Stile Hollywoods, einen Schriftzug mit großen Lettern – in Berlin-Marzahn. Wieso?
Köber: Wir wollen Menschen in den Stadtteil holen, Berliner und Touristen. Sie anregen, Marzahn nicht nur von außen zu betrachten, sondern auch von innen.

Weg aus den Szenevierteln und hinein in den sozialen Brennpunkt?
Köber: Marzahn ist ein Ort, der viele Gegensätze aufweist, Dichte und Freiheit, Armut und Reichtum, aber vor allem auch Klischee und Wirklichkeit.

Das heißt, der üble Ruf ist unberechtigt?
Köber: Jein. Wir sind in Marzahn groß geworden und kennen die Innenperspektive, die besten Verstecke und Geheimwege, die spannenden Seiten. Die Platte war ein Paradies für uns. Doch alles, was die Außenwelt begreift, ist von innen auch sichtbar. Die stereotypen Mandys, ohne Arbeit und Perspektive. Die Hochhäuser. Und übergewichtig sind manche Marzahner tatsächlich auch. Doch gibt es diese Probleme nicht in jedem Stadtteil?

Zum Beispiel in Hollywood? Dort prangt ja auch ein solcher Schriftzug.
Köber: Ganz nach dem Motto „mehr Schein als Sein“. Wieso also kein M-A-R-Z-A-H-N am Rande der Hochhauswüste? Wie man Vorurteilen trotzt, das haben wir Marzahner schon früh gelernt. In der Komik liegt das Geheimnis.

// 19.03.2016, Rieke Wiemann, FAZ

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